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Baustellenbericht zum Projekt «Erneuerung Waldenburgerbahn»

In den vergangenen Wochen lag unser Hauptfokus auf dem Bahnübergang der Station Talhaus. Dort wurde der ursprüngliche Bahnübergang herausgerissen, die alten Gleise entfernt, Werkleitungen verlegt und anschliessend die Planie erstellt. Damit haben wir die Grundlage für den neuen Bahnübergang geschaffen und die Arbeiten für einen Moment abgegeben. Nachdem Meier + Jäggi das Infundo (neuer Bahnübergang) eingebaut und ihrerseits alle nötigen Arbeiten abgeschlossen haben, heisst es für uns nun noch einmal Belag einbauen und Randabschlüsse vornehmen. Ebenso bereiten wir die Fundamente für die Schrankenanlage und Signalmasten vor.

Somit neigen sich die Arbeiten am Bahntrasse auf unserem Streckenabschnitt dem Ende zu. Die Übergabe des Trasses an die Bauleitung findet Ende Oktober statt.

Die Baustelle nimmt langsam Form an, denn seit dem letzten Update hat sich einiges getan: Eines der grössten Highlights waren die ersten Meter an Gleisschienen, welche wir auf unserem Streckenabschnitt bei der Kreuzung Bad Bubendorf verlegen durften. Anschliessend wurde dort durch die Firma Meier + Jäggi AG das Infundo bzw. der Bahnübergang eingebaut. Da Bahnübergänge im Gegensatz zum restlichen Teil einer Bahnstrecke zusätzlich auch die Last des Strassenverkehrs tragen müssen, werden sie stärker beansprucht. Das beim Bahnübergang Bad Bubendorf verwendete Infundo-LC ist ein spezielles System, welches Gleisbett, Schienenbefestigung und Kfz-Fahrbahn vereint.

Anschliessend wurde eine erneute Umstellung der Verkehrsführung vorgenommen, welche die Fahrzeuglenker nun über den neuen Bahnübergang führt. Die dafür angepassten Strassenmarkierungen wurden von der Firma Roberit AG aufgebracht.

Oberhalb der Station Talhaus werden aktuell (durch die Firma Ghelma AG) sogenannte Vorspannanker in das Erdreich gebohrt. Ein Stahlseil wird an dem Anker befestigt, welcher sich im Bohrloch befindet und das Loch anschliessend mit Mörtel gefüllt. Sobald der Mörtel die entsprechende Festigkeit erreicht hat, werden die Stahlseile mit einer Presse gespannt. Durch diese Spannung wird die Betonmauer gegen das Erdreich gedrückt und sorgt so für die Stabilisierung der Böschung.

Weiter werden entlang des Bahntrasses Stellplatten versetzt. Diese dienen der Abtrennung von Bahnschotter und Rabatte. So wird verhindert, dass der Bahnschotter verunreinigt wird. Zusätzliche Randabschlüsse entlang des Bahnperrons werden gemacht, um den Strassenbelag vom Perron zu trennen.

In den vergangenen Wochen durften wir wieder einige Fortschritte auf unserer „WB Baustelle“ verzeichnen. Im ersten Abschnitt des Los 2 war einer unserer Maschinisten beschäftigt mit dem Aushub der Sickergrube, welche dazu dient, das Regenwasser der Bahnanlage zu sammeln und versickern zu lassen. Zudem konnten bereits einige Planie- sowie Belagsarbeiten (Bituminöse Sperrschicht) ausgeführt werden. Die bituminöse Sperrschicht dient dazu, das Regenwasser in die Sickerleitung und anschliessend ins Sickerbecken zu führen.

Auch die Perronkante für die zukünftige Haltestelle Bad Bubendorf haben unsere Mitarbeitenden versetzt. Dabei war die grösste Herausforderung die millimetergenaue Einbettung der Perronkante.

Zwischen der Station Bad Bubendorf und der Station Talhaus konnte die Fertigstellung und anschliessende Hinterfüllung der Stützmauer stattfinden. Hinter der Mauer wurde eine Sickerleitung verlegt, welche ein Aufstauen des Regenwassers (Sickerwasser) verhindert und es ableitet. Die Stahlspundwände wurden gezogen und das Endprodukt der Stützmauer ist nun ersichtlich.

Während insgesamt zwei Wochen wurden Betonfräsarbeiten oberhalb der Station Talhaus ausgeführt. Dabei wurde die Abschrägung (Anzug) der bestehenden Mauer auf einen 90 Grad Winkel abgefräst, damit die neue zusätzliche Mauer bündig angeschlossen werden kann. Ausserdem wurde die Mauerkrone (oberster Teil der bestehenden Mauer) gefräst, damit anschliessend genügend Platz für den Trassebau besteht.

Die Schwierigkeit bei den Betonfräsarbeiten lag darin, dass der Maschinist die Arbeitsfläche nicht direkt im Blickfeld hatte, da von oben gearbeitet werden musste. Er war deshalb auf die Anweisungen einer unserer Bauarbeiter angewiesen. Zudem lag eine grosse Herausforderung darin, nicht zu viel Beton abzufräsen, um eine Instabilität der bestehenden Mauer zu verhindern.

Im Zuge des Erneuerungs-Projektes der Waldenburgerbahn wurde auch an das Wohl der Tiere gedacht. Auf unserem Streckenabschnitt durften wir einen Kleintierdurchlass erstellen. Dieser dient dazu, dass Amphibien und sonstige Kleintiere durch den Tunnel einen sichern Weg von der einen auf die andere Strassenseite finden.

Die Form des Durchlasses ist bewusst kastenförmig gewählt, da so im Gegensatz zu rohrförmigen Unterführungen verhindert werden kann, dass die Tiere versuchen die Wände hochzuklettern. Bei jungen Amphibien kann der Versuch des Hochkletterns zur tödlichen Erschöpfung führen. Erwachsene Amphibien können auf Grund dessen die Orientierung verlieren und laufen oftmals wieder den Weg zurück anstatt vorwärts. Der Boden besteht aus Erde, dieser muss verdichtet werden damit er Strömungserosionen bei starkem Regen standhält und den Tieren so wenig Widerstand wie möglich bietet.

Aufgrund vieler verschiedener Aspekte, die beim Bau eines Kleintierdurchlasses beachtet werden müssen, war es eine anspruchsvolle aber doch auch sehr spannende Aufgabe.

Nach dem Osterwochenende wurde das Waldenburgerli verabschiedet. Die meisten Wagons fanden bereits den Weg in ihre neue Heimat, die Slowakei. Für uns war dies der Startschuss für die Hauptbauarbeiten auf der Bahnstrecke. In den vergangenen Wochen wurden auf gewissen Streckenabschnitten von Los 2 durch die Marti Grund- und Tiefbau AG Spundwände versetzt. Spundwände werden grundsätzlich als Sicherung und Stützung von senkrechten Baugrubenwänden oder Geländesprüngen eingesetzt. In unserem aktuellen Fall dienen sie der Strassensicherung, damit die Abrisskante der Baustelle entlang der Bahnlinie nicht die Instandhaltung und Benützung der direkt angrenzenden Strasse beeinträchtigt. Durch das Einsetzen der Spundwände, kann also der örtliche Lastwagenverkehr auf der angrenzenden Strasse aufrechterhalten werden.

Ebenfalls in den vergangenen Wochen wurden die Gleise demontiert und der Gleisschotter wegtransportiert. Der reine Schotter wird recycelt (aufbereitet) und später als Strassenkoffer (Fundationsschicht unterhalb des Belags) wiederverwendet. Der verschmutzte, unreine Schotter wird je nach Verschmutzungsgrad entsorgt oder dem entsprechenden Reinigungsvorgang unterzogen (Waschanlagen).

Auf Höhe der Station Talhaus wurde Belag eingebaut für den Perron der provisorischen Bushaltestelle.

Zudem mussten wir schweren Herzens die traditionelle Haltestation «Bad Bubendorf» verabschieden. Das Dach wurde abgedeckt, der Turm demontiert und der Rest des Stationshäusschens abgerissen. Nun bleiben uns nur noch die Erinnerungen daran. Gleichzeitig freuen wir uns aber auch auf den Beginn einer neuen Ära mit der Umsetzung des neuen Projektes.

Foto: BLT

Am 5. April 2021 wir das traditionelle und als Schmalspurbahn bekannte «Waldenburgerli» das letzte Mal in der Form über die Gleise rollen, wie wir es kennen. Schmalspur, weil das «Waldenburgerli» bisher auf Schienen mit einer Spurweite von 75cm gefahren ist und nicht wie die meisten anderen Schienenfahrzeuge auf einer Spur von 1m.
Am 6. April 2021 erfolgt die Vollsperrung der Bahnstrecke und die Bauarbeiten beginnen. Geplant ist, dass Mitte Dezember 2022 die neue Waldenburgerbahn in Betrieb genommen werden kann.

Die Bauherrschaft zur Erneuerung der Bahnlinie Liestal – Waldenburg hält die BLT Baselland Transport AG. Dabei wird die 13 Kilometer lange Fahrspur, sämtliche Haltestellen sowie der Bahnhof Waldenburg erneuert. Ausserdem werden Massnahmen ergriffen, um die Bahn vor Hochwasser zu schützen, weshalb entlang der Vorderen Frenke Hochwasserschutz-Bauten errichtet werden.

Für die 13 Kilometer lange Bahnstrecke wurden sechs Lose und für den Bahnhof Waldenburg ein Los vergeben.
Die ARGE bestehend aus der Marti AG, Tozzo AG, Sersa AG und Walo AG hat aus den mehreren Submissionen für das Projekt Los 2 und Los 4 erhalten. Los 2 umfasst den Abschnitt Bubendorf bis Lampenberg und Los 4 den Abschnitt Hölstein bis Hirschlang.
Zusätzlich haben wir innerhalb des Los 7 (Bahnhof Waldenburg) den Auftrag erhalten, die komplexe Baugrube zu erstellen, welche mit Pfählen, Spund- und Nagelwänden gesichert wird. Weiter werden in Los 7 Rückbauarbeiten diverser Gebäude anfallen, welche wir zusammen als ARGE mit der Firma A. Gysin AG ausführen. Zu den Gebäuden zählen unter anderem das Hauptgebäude, das Verwaltungsgebäude, der Kiosk, das Schopf-Stellwerk und die Waschanlage.

Wir sind stolz und freuen uns, an dem Projekt «Erneuerung Waldenburgerbahn» mitwirken zu dürfen!

In den kommenden Wochen und Monaten werden wir regelmässig über Fortschritte, anstehende Herausforderungen und Zwischenerfolge zu den Bauarbeiten auf unseren Streckenabschnitten berichten.

Weitere Infos zum Projekt «Erneuerung Waldenburgerbahn» finden Sie hier.

Möchten Sie mehr über das traditionelle «Waldenburgerli» und dessen Geschichte erfahren? Dann besuchen Sie die Webseite des Vereins Dampfzug Waldenburgerbahn.

Quellen:
https://www.blt.ch/neubau-wb/das-projekt.html
WB Magazin 2/2019, BLT Baselland Transport AG
WB Magazin 1/2020, BLT Baselland Transport AG
https://www.bauen-tiere.ch/bteile/ttu/ttu_mol.htm